Bist du ein Drüberschummler?

Ein Motiv skizzieren heißt, die grundlegende Formerscheinung rasch und unmittelbar zu erfassen, sie vereinfacht (abstrahiert) zu Papier zu bringen und sich nicht in Einzelheiten zu verlieren. Es muss nicht jedes Detail dargestellt werden. Es ist wichtig, zuerst zu skizzieren, um grundlegende Entscheidungen zu treffen. In späteren Arbeitsstadien ist das nur schwer möglich.

Verfallen Sie nicht in »Lockerer-Strich-Fetischismus «. Ein lockerer Strich ist das Ergebnis jahrzehntelanger Praxis und nicht Selbstzweck. Zeichnen Sie, so gut Sie können, und konzentrieren Sie sich auf Ihren Bildinhalt.

Wenn Sie bereits über den berühmten »Strich« verfügen, also wenn Sie sich durch viel Praxis eine lockere Handschrift angeeignet haben, können Sie dazu verleitet sein, Skizzen und Entwürfe zu früh zu beenden.

Sie verführen sich mit Ihren Zeichnungen selbst als Ersten, noch bevor jemand anders Ihre Arbeit sieht. Sobald die Zeichnung »gut aussieht«, meinen Sie, dass sie fertig ist. Andere können Sie hier selten warnen, da sie genauso leicht wie Sie selbst von einer kräftigen Zeichnung zu verführen sind.

Tatsächlich enthält die Zeichnung oft noch zu wenig Informationen. Das rächt sich dann im nächsten Arbeitsschritt, in der Ausarbeitung. Wenn Sie bei der Ausarbeitung zu »schwimmen« beginnen, liegt das oft weniger an mangelnden technischen Fähigkeiten, sondern schlicht daran, dass Sie zu wenig Information haben, die Sie interpretieren könnten.

Kosten Sie die Glücksgefühle der künstlerischen Selbstverführung ruhig aus, aber fragen Sie sich anschließend immer, ob Sie wirklich alle inhaltlichen Fragen in Ihrer Zeichnung geklärt haben. Denken Sie bei Ideenskizzen noch nicht zu sehr an Ästhetik und Formensprache. Denken Sie wie ein Produktdesigner oder eine Forscherin.

Ein Leitspruch des klassisch-modernen Industriedesigns ist: »Form follows Function«, also etwa »Die Funktion bestimmt die Form«. In dieser reinen Form ist letztlich nie ein Design verwirklicht worden. Es gibt immer Form um der Schönheit, um ihrer selbst willen. Dennoch ist es gut, diesen puristischen Anspruch im Hinterkopf zu behalten, wenn Sie beim Scribbeln nicht oberflächlich sein wollen.

Überlegen Sie sich den Zweck der Dinge, wie sie funktionieren, aus welchem Material sie sind und wozu man sie benutzt. Die Dinge, die Sie zeichnen, sollten so aussehen, als könnten sie funktionieren.

Komplexe Arbeiten aus Einzelzeichnungen aufbauen

Zerlegen Sie Ihr Thema bei komplexen Arbeiten in alle darin vorkommenden Gegenstände, und machen Sie zu jedem dieser Gegenstände einzelne Scribbleblätter. Das können Hauptfiguren, Nebenfiguren, Tiere, Pflanzen, Architektur, Bekleidung, Maschinen, Möbel, Hausrat, Fortbewegungsmittel, Landschaft usw. sein. Alles, was vorkommt, kann und soll gestaltet werden.

Sie können nicht in einer Sitzung alles entwerfen. Nehmen Sie sich pro Arbeitseinheit einen Teilbereich Ihrer Geschichte vor.

About the author

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *