Recherche von Alltagsgegenständen

Dinge, die Sie zeichnen möchten, aber nicht selbst besitzen, egal wie alltäglich und nebensächlich sie sein mögen, müssen Sie recherchieren. Die Gewöhnlichkeit dieser Gegenstände sollte Sie nicht dazu verleiten, schlampig zu arbeiten.

Die Suche nach so gewöhnlichem Referenzmaterial wie »Tisch« und »Sommerkleid« ist besonders frustrierend. Für die Dokumentation von Gegenständen aus der Gegenwart ist es hilfreich, auf Herstellerseiten zu gehen. Dort finden Sie bereits professionell aufgearbeitetes Bildmaterial, das die Objekte im besten Licht präsentiert. Ganz besonders gilt das für Autos, formelle Kleidung und Frisuren. Diese Dinge sagen viel über Ihre Figuren und die Story aus.

Die feinen Unterschiede

Es gibt viele feine Distinktionsmerkmale. Sie müssen diese Codes erkennen, auch wenn Sie sie nicht selbst anwenden. Herrenanzug ist nicht gleich Herrenanzug, Mittelklassewagen ist nicht gleich Mittelklassewagen, und lange Haare sind eben nicht gleich lange Haare. Für den Uneingeweihten unsichtbare kleine Codes können hier zwischen Klasse und Schrott entscheiden.

Auch wenn Sie persönlich Ressentiments gegen bestimmte Zeichensysteme haben (zum Beispiel: Angeber-Bonzenauto, billiges Schlampen-Outfit), sollten Sie »im Feindeslager« recherchieren. Es schadet nicht, sich der geistigen Übung hinzugeben, Ihre Wertung für die Illustration hintanzustellen und die Dinge aus der Perspektive anderer Menschen zu sehen – allen voran die der Auftraggeber.

Recherche in Büchern

Wenn Sie tiefer in ein Thema hineingehen, schaffen Sie sich illustrierte Standardwerke zum Thema an, nur um darin die Suchworte zu finden. Wenn Sie hauptberuflich als Illustrator arbeiten oder es vorhaben, rate ich zur Anschaffung von illustrierten Nachschlagewerken zu den Themen Anatomie, Architekturgeschichte, Kostümgeschichte, Tiere, Autos, Designgeschichte und natürlich für Ihr Spezialgebiet.

Bildbände sind nicht billig. Sie müssen nicht unbedingt Neuerscheinungen kaufen. Im modernen Antiquariat können Sie preiswerte Bücher finden, die nicht älter als zwei Jahre sind.

Die meisten Buchhandlungen führen nur eine populäre Auswahl an aktuellen Veröffentlichungen. Viele relevante Publikationen sind schon älter. Diese finden Sie in Bibliotheken. Auch ist die Benutzung einer Bibliothek preiswerter, als alles selbst zu kaufen. Mit der Zeit werden Sie lernen, zu unterscheiden, welche Bücher Sie besitzen wollen und welche Sie lieber nur ausborgen.

Schreiben Sie sich in die städtische Bibliothek ein. Es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen und in der Hauptbibliothek auf Entdeckungstour zu gehen. Sie sammeln dort visuelle, haptische und olfaktorische Eindrücke, wenn Sie die Bücher ansehen, anfassen und daran riechen. Dieser kleine Ausflug ist eher dazu geeignet, Ihre Blackbox zur Mitarbeit zu verführen, als nur vor dem Computer zu sitzen.

Auch Universitätsinstitute haben Fachbibliotheken, die oft auch der Allgemeinheit offenstehen. Erkundigen Sie sich über diesbezügliche Möglichkeiten in Ihrer Stadt.

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