Lernen heisst Fehler machen

Anerkennen Sie, dass Lernen immer ein krisenhafter Prozess ist. Sie müssen ja von hilfreichen Routinen absehen, um tatsächlich Neues zu schaffen. Sie begeben sich auf ungesichertes Gelände, und das spiegelt sich auch im inneren Monolog wider.

Dass ein Projekt glatt von der Idee zur Abgabe verläuft, ist eher die Ausnahme als die Regel. Es ist nur möglich, wenn Sie in früheren Projekten Arbeitsroutinen entwickelt haben.

Sie lernen aus eigenen Fehlern am meisten. Die Lernkurve ist beim ersten Malen am steilsten. Stellen Sie sich also auf Fehler und Änderungen ein, und seien Sie unverzagt.

Flow

Wenn Sie dranbleiben, wird es leichter. Ein Hochgefühl kann sich beim Arbeiten einstellen. Der Begriff Flow (»Fließen, Rinnen, Strömen «) bezeichnet das Gefühl der völligen Vertiefung und des Aufgehens in einer Tätigkeit, Schaffensrausch oder Funktionslust.

Wenn sich der ersehnte Flow-Zustand einstellt, ist Inspiration leicht zu finden, und die Arbeit geht vielleicht von der Hand. Alles fügt sich wie magische Puzzleteilchen ineinander. Die Schwierigkeit besteht darin, in den Zustand des Flows hineinzukommen. »Drin sein« heißt, auf einer tiefen Ebene mit seinem Thema im Einklang zu sein.

Wenn Sie Ihr Thema verinnerlicht haben, hat Ihre Blackbox Ihr Thema angenommen.

Der Zustand der Flows hat etwas Magisches an sich. Man hat das Gefühl, von höheren Mächten geführt zu werden, von freundlichen Geistwesen neue Hinweise und Möglichkeiten gesendet zu kriegen.

Um den Flow-Zustand zu erreichen, ist ständige Übung, Aufmerksamkeit und Pflege notwendig. Je mehr Sie zu einem Thema wissen und je besser Sie aufgelegt sind, umso leichter fällt es Ihnen, neues Wissen zu erlangen. Sie werden bemerken, dass der Zufall stets den Vorbereiteten trifft.

Disziplin und Leidenschaft

Trotz Rückschlägen nicht aufzugeben und durchzuhalten, erfordert Disziplin. Was für ein ekelhaftes Wort! Bisher ist uns Disziplin hauptsächlich von anderen zugemutet worden, daher der Beigeschmack des Zwangs. Wir wollen doch frei sein.

Überforderung – Burn-out Anforderungen Fähigkeiten Flow Unterforderung – Bore-out

Im Flow-Zustand sind wir im idealen Ausmaß gefordert (Eustress). Wir sind weder überfordert (Distress) noch unterfordert (Langeweile). Bei Überforderung droht der Burn-out, bei Unterforderung der sogenannte Bore-out.

Disziplinierung durch andere abzulehnen, führt nicht automatisch zu einem glücklichen Leben. Wer freiwillig lernt und arbeitet, muss sich selbst disziplinieren. Die Arbeit geht nicht immer leicht von der Hand, manchmal muss man sich durchbeißen. Lernen Sie, Frustration zu ertragen und weiterzumachen.

Disziplin allein ist auch keine gute Voraussetzung. Die Grundlage jeder Beschäftigung sollte Ihr Wunsch sein. Sich zu etwas disziplinieren, was einem gar nicht liegt, bringt nichts. Sie werden trotz allem Fleiß nie so gut wie jene sein, die leidenschaftlich UND diszipliniert sind. Das richtige Maß zwischen Selbstdisziplin und Lockerheit zu finden, ist eine lebenslange Aufgabe freier Menschen.

Ein bisschen Neigung zu Ihrem Tätigkeitsfeld ist schon Voraussetzung, sonst halten Sie es nicht durch. Nur aus Imagegründen (»Künstler sind cool!«) Illustratorin werden zu wollen, ist Unsinn. Wenn das Ihr Hauptmotiv ist, hören Sie besser gleich auf. Werden Sie Jurist, Arzt oder sonst »etwas Anständiges«.

Disziplinieren Sie sich nicht zu viel. Machen Sie Pause, machen Sie Urlaub. Schlafen Sie ausreichend. Essen Sie gut. Bewegen Sie sich an der frischen Luft, und pflegen Sie Ihre Beziehungen. Amüsieren Sie sich ohne allzu krassen Selbstmissbrauch. Wenn das so trivial wäre, wie es klingt, gäbe es nicht LKW-Ladungen voller Selbsthilfebücher zu diesen Themen. Tun Sie es! Und arbeiten Sie weiter.

Das eigene Maß finden

Wenn Ihnen das bisher Gesagte zu schwammig und zu wenig programmatisch erscheint, liegt das daran, dass es für Kreativität keine fertigen Rezepte gibt. Die Menschen sind unterschiedlich, und jeder braucht etwas anderes, um optimal arbeiten zu können.

Wir haben nicht alle dieselben Voraussetzungen. Wir nehmen die Welt unterschiedlich wahr und wählen unterschiedliche Strategien. Darum werden Sie bei vielen Übungen in diesem Buch immer wieder auf Ihre eigene Kompetenz verwiesen.

Manche arbeiten vormittags besser, manche nachmittags. Manche brauchen mehr, manche weniger körperliche Bewegung, soziale Aktivitäten, Schlaf. Manche lieben Trubel um sich, manche brauchen die Ruhe. Was für den einen eine unerträgliche Belastung ist, ist für die andere anregend. Manche brauchen Strukturen von außen, andere fühlen sich davon eingeengt.

Als Kreative_r muss man ständig Entscheidungen treffen, für die es keine einfachen Regeln, keine Rezepte gibt. Kreative Arbeit beinhaltet viele erste Male, für die es keine Routinen gibt. Das macht es ebenso spannend wie anstrengend.

About the author

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *