Illuskills stellt hier Zeichenbücher vor, die wirklich nützen.

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Nicht immer kann man sich gleich einen ganzen Lehrgang leisten, auch wenn man möchte. Für den Anfang sind da Zeichenbücher eine gute Alternative fürs Selbststudium. Doch wie soll man unter der Fülle an Angeboten die guten Bücher herauspicken?


Tipp für den Umgang mit Zeichenbüchern

  • Mach wirklich die Übungen im Buch. Alle. Es nur zu lesen und drüber nachzudenken nützt gar nichts. Die Hand muss es lernen, nicht nur das Hirn.
  • Zeichne nicht die Bilder im Buch eins zu eins ab, sondern mach Interpretationen aufgrund der im Buch vorgestellten Methoden.
  • Übe regelmäßig. Zwei- bis dreimal in der Wochekurz zu arbeiten hilft mehr als seltene Marathonsitzungen.
  •  Hol dir Feedback zu deinen Arbeiten von Leuten, die mehr Erfahrung mit Kunst haben als du, nicht nur von deinen Freunden.

Andrew Loomis: Creative Illustration

Das Opus Magnum eines alter Profis

Andrew Loomis' "Creative Illustration" ist ein Highlight der Oldie-but-Goldie-Illu-Lehrbücher. Loomis teilt in amerikanisch-hemdsärmelieger Manier seinem reichen Erfahrungsschatz als Illustrator in der 1950er Jahren. Das Buch ist didaktisch gut in sieben Kapitel unterteilt: Linie, Ton, Farbe Storytelling, Ideen finden, Einsatz von Illustration sowie Experimente und Studien. "Creative Illustration" ist prall gefüllt mit Insider-Tipps und den beliebten 50er-Jahre Illus. Auch für heutige Profi-Illustratoren ist hier noch einiges drin, Digitales natürlich ausgeschlossen.

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Nur mit Diversity-Blick der Gegenwart darf man das Buch nicht ansehen: Alle Frauen auf den verwendeten Bildern sind junge, knackig-doofe Babes und die einzige Person of Color ist ein schwarzer eingekerkerter Mann. Wer darüber hinwegsehen kann, findet ein dichtes, gut zusammengestelltes Kompendium des Illustratoren-Handwerks.


Ken Hultgren: The Art of Animal Drawing

Auch für Cartoon-Tiere nützt Anatomie-Wissen

Man sieht Ken Hultgeren's "The Art of Animal Drawing" die klassisch-disney'sche Herkunft an. Hier lernt man, die komplexen organische Strukturen der Tierkörper räumlich zu erfassen und dann synthetisch aufzubauen – Die Marvel-Anatomie für Tiere sozusagen.

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Hier wird sehr schön die Brücke von fundierten Anatomie-Wissen zur Cartoon-Vereinfachung geschlagen. Sehr interessant besonders für AnimatorInnen sind auch die Bewegungsstudien. Eine absolute Empfehlung für ComicszeichnerInnen und Alle, die es werden wollen.


Elliot Goldfinger: Animal Anatomy for Artists

Echte Tiere zeichen und nicht nur Mickey-Mäuse

Elliot Goldfinger's "Animal Anatomy for Artists" ist das unverzichtbare Referenzwerk für Alle, deren gezeichnete Tiere nicht mehr wie Garfield & Co. aussehen wollen. Über die menschliche Anatomie wissen wir ZeicherInnen ja meist (zumindest leidlich) bescheid, Aber wenn wir nicht eines dieser Pferde-Mädchen waren, sieht es beim Wissen um die Tiernantomie meist düster aus.

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Dieser Werk schafft Abhilfe für die Darstellung wirklich viele heimische Tierarten wie Pferd, Hund, Katze, Kuh, Schwein, Eichhörnchen und Kaninchen, aber auch zahlreichen Wildarten, darunter die Löwen, Giraffen, Hirsche, Nilpferd, Nashorn , Elefant, Gorilla, Seelöwen und Bären.

Schöne detailreiche Zeichnungen zeigen die Skelette, deren Gelenken und Bewegungsradien, Muskeln, Querschnitte sowie Fotografien von lebenden Tieren und Silhouetten mit Vergleichen von Formen und Proportionen.

 


Gottfried Bammes: Die Gestalt des Menschen

Gründlich deutscher Anatomiebuch-Klassiker

Gottfried Bammes' "Die Gestalt des Menschener" bekannteste Klassiker unter den Anatomiebüchern. So dick und umfangreich, dass man es als stumpfen Tatgegenstand verwenden kann.

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Gottfried Bammes „Gestalt des Menschen“ erläutert wirklich jedes Detail der menschlichen Anatomie. Der einziger Nachteil für mich ist, dass dem Buch und besonders den Fotos etwas deutscher Nachkriegsmief anhaftet. Die Fotomodelle wirken gedrillt und traumatisiert, die Grafiken haben Patina. Doch vielleicht stört das eine junge Generation nicht, die keine direkte Assoziation zu der Enge der frühen fünfziger Jahren hat.

Unübertroffen dagegen sind Bammes schematische Darstellungen von Bewegungsabläufen mit gestempelte Figuren und Scherenschnitten. Allein dafür lohnt es sich, sich  diesen Ziegelstein von einem Buch zuzulegen.


Sarah Simblet: Anatomy for The Artist

Lecker und politsch korrekt zugleich - Mein Lieblings-Anatomiebuch

Sarah Simblet's "Anatomy for The Artist" ist mein absolutes Lieblings-Anatomiebuch der Gegenwart. Sarah Simblet zeichnet sensibel und kenntnisreich. Ihre Zeichnungen erleuchten besonders die tiefe Muskulatur sehr gut, die in Künstler-Anatomie oft zu kurz kommt Hier findet man, was eine absolute Seltenheit in anderen Anatomiebüchern ist: weibliche Muskelfiguren und Fotomodelle unterschiedlicher Hautpigmentierung. Die Fotos von superknackigen Nackedeis aller Ethnien und Geschlechter machen Anatomie lernen zu einem erotischen Vergnügen. Hut ab für Diversity-Best-Practice!

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Ein fein ausgewählten Mix aus historischen und zeitgenössischen Bildquellen und insgesamt bibliophile Aufmachung machen dieses Buch nicht nur lehrreich, sondern ausgesprochen lecker.